Mittwoch, 4. Februar 2015

Von der Notwendigkeit einer Briefkastenlee(h)rer Akademie - von Folkmar Drechsel

Von der Notwendigkeit einer Briefkastenlee(h)rerakademie
Wie immer am Letzten, zeitiger wäre unnormal, erreichte mich der ich auch der Letzte bin, eine Nachricht von meinem Chef. In aller Öffentlichkeit teilte er mir den geheimen Ort und die noch geheimere Zeit der Vollversammlung der „gemeinen Spottfreunde“ mit. Es war wie immer das Letzte, er beorderte mich unter strenger Geheimhaltung, stehenden Fußes, in Auerbachs Keller. In eben dieses Lokal, in dem schon olle Goethe mit seiner Faust gedroht haben soll. Als Mitglied „Waldohreule“ getarnt, sollte ich einen Exklusivbericht schreiben.

So sei es: Pünktlich erschienen die „gemeinen Spottfreunde“ Herr Kampfhahn vom Verteidigungsministerium eröffnete die Versammlung indem er die Vollzähligkeit feststellen ließ. Und da in Vorahnung auf ein ausgezeichnetes Abendessen allen schon der Magen knurrte, bat er um zügigen Verlauf der Versammlung. Herr Kreuzschnabel (Verkehrsministerium), der immer schnell beim regeln ist, ergriff das Wort. „Liebe GenossInnen und GenießerInnen, ich schlage vor zu beschließen, dass sich alle meinem Vorschlag anschließen und den Beschluss fassen, eine Briefkastenlee(h)rerakademie zu gründen.“ „Ich gebe zu bedenken, dass es sehr Zeit- und Geldaufwendig ist alle Briefkastenschlüssel und Computerpasswörter zur Verfügung zu haben“ warf Frau Brieftaube vom Postministerium ein. Frau Klapperschlange (Finanzministerium) und Herr Pleitegeier (Staatsministerium) hatten sich vorher schon abgesprochen, darum rief Frau Klapperschlange dazwischen: „Die Finanzen lassen sich regeln, wir erhöhen die Märchensteuer und führen eine Briefkastenlee(h)rwertsteuer ein, damit werden wir auskommen. Die Postschnecken müssten allerdings ein wenig schneller arbeiten.“ Frau Pfau aus dem Bildungsministerium, welche emanzipiert „Pfäuin“ gerufen werden will, krächzte dazwischen: „Kann mir mal einer erklären, wer auf die Idee gekommen ist, diese Akademie zu gründen? Hier geht es schließlich um Bildung und mein Ministerium ist nicht informiert worden.“ Zaghaft meldete sich Frau Blindschleiche (Justizministerium) zu Wort: „Wenn man mich gefragt hätte, wäre die Begründung schon gegeben. Unzählige Eingaben aus der Bevölkerung, der Jugendämter, dem Vatikan und der links-rechts Partei besagen, dass zu viel Schädliches in die Briefkästen gerät. Neuerdings werden sogar die Mailboxen im Internet ständig zugemüllt. Um Abhilfe zu schaffen muss schnellstens eine Briefkastenlee(h)rerakademie gegründet werden. Wenn man bedenkt, dass die ersten Fachkräfte erst in drei bis vier Jahren zur Verfügung stehen, ist es gar nicht auszudenken wie viel Schaden bis dahin unter der Bevölkerung entstehen kann.“ Kampfhahn erteilte Herrn Spottdrossel (Kabarettistenverband) das Wort und bat ihn, die Schwerpunkte und Ziele der Ausbildung mitzuteilen. „Also liebe, ihr wisst schon. Die Ausbildung wird folgendes Ziel haben: Schnelles erkennen und sortieren von Briefkasteninhalten nach persönlicher Post, diese bekommt der Adressat, normale Werbung und ungefährliche Kataloge werden an die Arbeitsämter verteilt. Hartnäckige Arbeitsverweigerer dürfen ihre Wartezeit verkürzen indem sie daraus Papier Brikett herstellen. Beate Uhse und ähnliche Kataloge sowie Werbekondome sind vom Vatikan angefordert und per Kurier hin zu bringen, da beim Versand durch die Post nicht gewährleistet ist, dass sie ankommen.“ „Herr Rabenaas (Jugendamt), sagen sie schnell noch etwas zum Internet, dann stimmen wir ab,“ ordnete der Versammlungsleiter an. „Ja meine….wir freuen uns aufs Abendessen, darum halte ich mich kurz. Die Ausbildung muss sehr gründlich sein, damit sie flink sind und die Mailboxen räumen bevor die User Zugriff bekommen. Wir vom Jugendamt wissen, dass besonders Jugendliche oft schneller sind und sich die schädlichen Porno Links holen, bevor wir sie zum Vatikan schicken können.“ Die Abstimmung, von knurrenden Mägen bestimmt, ergibt eine 100%ige Einigkeit. Die Briefkastenlee(h)rerakademie wird gegründet.

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